Sedna :

Sedna - Tulukkap Anersaava, Geschichte von Sedna, der Meeresgöttin ​    erzählt von Aúa, einem Schamanen der Inuit       ​ ... es war  einmal ein schönes Mädchen, das wollte nicht heiraten. Sie lebte mit ihrem Vater und verschmähte alle Männer, die zu ihr kamen. Eines Tages, als ihr Vater auf der Jagd  war, kam ein Mann mit seinem Qajaq und legte an ihrem Wohnplatz an. Er rief zum Haus hinauf : " Die nicht heiraten will soll heraus kommen " . " Das muss wohl ich sein " ,dachte sie, und sie, die sonst immer nein zu allen Aufforderungen gesagt hatte, holte ihre Reisetasche und stieg zu dem fremden Mann ins Boot. Der saß hoch im Sitz und hatte seine Schneebrille vor den Augen. Sie setzte sich oben auf den Qajaq, und er ruderte fort. ​ Als sie ein Stück hinaus gefahren waren, legte der Mann an einer kleinen Eisscholle an, und während er ausstieg begann er sie zu verhöhnen : " Siehst du nun, dass ich auf einem Schemel sitze ? Siehst du nun meine Augen ? " Und das Mädchen sah, dass seine Aug

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      Geschichte von Sedna, der Meeresgöttin

   erzählt von Aúa, einem Schamanen der Inuit      

... es war  einmal ein schönes Mädchen, das wollte nicht heiraten.

Sie lebte mit ihrem Vater und verschmähte alle Männer, die zu ihr kamen. Eines Tages, als ihr Vater auf der Jagd  war, kam ein Mann mit seinem Qajaq und legte an ihrem Wohnplatz an. Er rief zum Haus hinauf : " Die nicht heiraten will soll heraus kommen " . " Das muss wohl ich sein " ,dachte sie, und sie, die sonst immer nein zu allen Aufforderungen gesagt hatte, holte ihre Reisetasche und stieg zu dem fremden Mann ins Boot. Der saß hoch im Sitz und hatte seine Schneebrille vor den Augen. Sie setzte sich oben auf den Qajaq, und er ruderte fort.

Als sie ein Stück hinaus gefahren waren, legte der Mann an einer kleinen Eisscholle an, und während er ausstieg begann er sie zu verhöhnen : " Siehst du nun, dass ich auf einem Schemel sitze ? Siehst du nun meine Augen ? " Und das Mädchen sah, dass seine Augen rot und häßlich waren und dass er klein war und nur groß ausschaute, weil er auf einem Schemel saß. Sie brach in Tränen aus, aber der Mann verlachte sie. Er war ein Sturmvogel in Menschengestalt. Danach entführte er sie zu seinem Wohnplatz auf einem hohen Felsen. Hier musste sie in seinem Zelt  aus schwarzen Robbenfellen leben. Nach einiger Zeit bekam sie ein Kind.

Der Vater des Mädchens sorgte sich um seine Tochter und machte sich auf die Suche. Eines schönen Tages  fand er sie auf dem Felsen des Sturmvogels und als dieser auf Jagd ging befreite er sie. Der Sturmvogel entdeckte die Flüchtenden jedoch und holte sie bald ein. Da der Vater ihn kommen sah, deckte er seine Tochter mit einer Haut zu, so dass sie ganz verborgen war. Aber der Sturmvogel umkreiste die beiden und rief : " Lass mich doch nur die lieben, kleinen Händchen sehen ". Der Vater antwortete höhnend : " Hat denn so einer wie du Frauen mit kleinen Händchen ? Du bist ja lauter Schemel, du bist ja lauter Brille ". Da flog der Sturmvogel wieder rund um das Boot, und als er mit steifen, ausgebreiteten Schwingen darüber hinfuhr ging ein solcher Windstoß von seinen Flügeln aus, dass das Boot zu kentern begann. Dem Vater wurde bange, und er warf seine Tochter über Bord.

Als sie sich an der Bordwand fest klammerte, schlug er mit dem Paddel die ersten Glieder ihrer gefrierenden Finger ab. Als diese ins Wasser fielen, tauchten rund um das Boot Robben auf, und da  sich Sedna immer noch mit den Stümpfen ihrer Finger anklammerte, schlug der Vater mehrere Glieder von den Händen ab, jedes Mal tauchten bärtige Seehunde und Walrosse auf. Schließlich hatte sie nur noch ihre Armstümpfe übrig, konnte sich nicht länger festhalten und ging unter.

Sie sank auf den Grund des Meeres, dort wurde sie zur Frau, die über die Tiere herrscht. Wir nennen sie Takanalukarnaluq ( die Frau der Tiefe ) oder auch Sanna, Nuliakshuq oder Sedna.

Aus dieser Verwandlung hat Sedna ihre Kraft und Macht als Meeresgöttin gewonnen. Ab jetzt wacht sie über das Einhalten der Gesetze von Mutter Erde, ihrer Kreisläufe und den Umgang der Menschen mit ihnen. Wenn die Menschen gegen diese Gesetze handeln, wird Sedna zornig, ihr Haar wird filzig und verheddert sich und die Tiere verfangen sich in ihnen. Nun leiden die Menschen Not.

Erst wenn die Menschen ihre Verantwortungslosigkeit erkennen und bereuen, und ein Schamane den gefährlichen Weg zu Sedna zurück gelegt hat, ihre Haare kämmt und ihr von der Reue der Menschen erzählt, läßt sie sich besänftigen - wenn er sie überzeugen kann !

 

  

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